Claudia aus Österreich: Knowledge-Equity-Kalender

Gruppenfoto der Mitgliederversammlung 2017 von Wikimedia Österreich
Raimund Liebert (WMAT), WMAT MV 2017, CC BY-SA 4.0

4. Dezember

Als Wikimedia-Organisation haben wir wenig bis gar keinen Einfluss auf Wikipedia und die anderen Projekte, so dass es für uns schwer ist, die Bedingungen für marginalisierte Gruppen und Themen dort zu verbessern. Wir können neue und diverse Menschen anwerben, sie ausbilden, ihnen einen guten Start geben und wir versuchen, das auch zu tun (nicht falsch verstehen!), aber wenn sie danach in den Projekten „verbrannt“ werden – weil ihre Beiträge in Frage gestellt werden oder weil sie durch die Art und Weise, wie Diskussionen geführt werden, abgeschreckt werden – gibt es wenig, was wir tun können. Also habe ich mich entschieden, mich darauf zu konzentrieren, was wir tatsächlich beeinflussen können, die wir aber nicht wirklich systematisch im gesamten Wikimedia-Movement gemacht haben: Unsere Organisationen dahin umzubauen, einladende und sichere Räume zu schaffen und die Kultur „offline“ zu gestalten, die wir gerne online sehen würden.

Claudia (2. von links) und der ehrenamtliche Vorstand von Wikimedia Österreich 2019
Raimund Liebert (WMAT), WMAT-Strategieklausur Reichenau a d Rax 2019, CC BY-SA 4.0

Wir haben angefangen in allen unseren offiziellen Mitteilungen und Dokumenten inklusive Sprache zu verwenden – in E-Mails, Newslettern, aber auch in unserer Satzung, unserem Governance-Kodex und unserer Geschäftsordnung. Für Nicht-Deutschsprachige Menschen ist es ziemlich kompliziert „inklusive Sprache“ zu erklären. Deutsch ist jedenfalls eine Sprache, in der Geschlecht sehr stark markiert wird. Der Wunsch nach einer inklusive(re)n Sprache in der Wikipedia ist ein immer wiederkehrendes Thema. Wikimedia Österreich hat sich für eine Sprachregelung entschieden, die alle Geschlechter umfasst, auch nicht-binäre, da dies die Realität in unserem Verein und Gesellschaft ist und wir dies reflektieren wollen. Anstelle von “Wikipedianer” sagen wir also “Wikipedianer*innen”, das * bedeutet, dass “Wikipedianer” sich auf verschiedene Geschlechtsidentitäten beziehen kann.

Inklusive Sprache ist ein kontroverses Thema in unseren Communitys, und wir haben auch Menschen in unserer Organisation, die skeptisch sind. Die Einführung dieser Änderungen erforderte Zeit, viele Gespräche und guten Willen von allen Seiten. Für uns war diese Veränderung erst möglich, als der ehrenamtliche Vorstand selbst diverser wurde und mehr und mehr unterschiedliche Ansichten und Stimmen in den Diskussionen vertreten sein konnten. Bei so einem Prozess können auch ein oder zwei Personen auf dem Weg verloren gehen, die diesen guten Willen eben nicht mitbringen und sich dem Wandel im Allgemeinen widersetzen. Manchmal muss man solche Verluste akzeptieren, um Platz für neue Leute zu schaffen.

Ich würde es begrüßen, wenn eine inklusive Sprache, die über binäre Geschlechterdefinitionen hinausgeht, als Standard im Wikiversum sowie in der gesamten offiziellen Kommunikation der Wikimedia Foundation sowie ihren Wikimedia-Organisationen und -Gruppen gelten würde. Ich denke auch, dass es Anreize und Peer-Netzwerke geben sollte, um die Governance-Strukturen innerhalb des gesamten Wikimedia-Movement systematisch gerechter zu gestalten.

Das ist ein Aspekt, den wir in einer Organisation tun können – es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, „Gerechtigkeit“ („Knowledge Equity“) im lokalen Kontext zu schaffen, bei Angestellten wie ehrenamtlichen Gremien, etc. Darauf sollten wir alle hinarbeiten. Jeder Kontext bringt seine eigenen Herausforderungen und Anforderungen mit sich, aber die Aktivitäten im Bereich Governance könnten als Inspiration dienen.

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